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Pflege

 

Pflegeetage

Zur Zeit gibt es kein offizielles Angebot für Lesben und Schwule in der Pflege.

Die erste lesbischschwule Pflegeetage, die am 18.01.2008 in Pankow eröffnete, gibt es zur Zeit nicht mehr. Zum Jahreswechsel wurde das Pflegezentrum Haus Asta Nielsen durch einen neuen Betreiber aus finanziellen Gründen übernommen. Die neue Leitung des Hauses und wird das lesbischschwule Angebot nicht weiterführen.

Zwei der früheren Bewohner sind inzwischen in eine Wohngemeinschaft umgezogen, die von einem Ambulanten Pflegedienst unter schwuler Leitung geführt wird. Wer sich für diese Einrichtung interessiert, kann gerne den Kontakt mit unserem Verein aufnehmen, wir geben die Adresse gerne weiter.

Nach nur einem Jahr muss man das erste offizielle lesbischschwule Pflegeangebot leider als gescheitert betrachten. Nach einer großen Euphorie, kommt nun eine gewisse Ernüchterung ins Spiel und Nachdenken ist angesagt. Wir möchten kein endgültiges Resümee ziehen, aber eröffnen an dieser Stelle ein paar mögliche Gründe für ein Scheitern des Projektes. Diese können Sie auch ausführlicher in der Publikation Geschlechtersensible Hospiz- und Palliativkultur mit einem Beitrag von Village e.V. nachlesen.

Erschienen im Mabuse-Verlag, Herausgeberinnen: Elisabeth Reitinger & Sigrid Beyer, 331 Seiten, 29.90 EUR, ISBN 978-3-940529-68-8

Schlechter Standort
Der Standort des Hauses, in einem Plattenbaugebiet, wurde immer wieder als schwierig angesehen. Erschwerend kam hinzu, dass die örtliche Infrastruktur ebenfalls nicht die Beste war: keine Ausschilderung, leerstehende Geschäfte im Zugangsbereich der Pflegeeinrichtung, keine U-Bahn-Anbindung usw.

Unpersönlicher Eindruck
Immer wieder wurde kritisiert, dass das Haus einen sehr unpersönlichen Eindruck vermitteln würde. Die Leitung des Hauses war trotz mehrfacher Aufforderung nicht in der Lage, in diesem Punkt für Abhilfe zu sorgen.

Schlechtes Marketing
Wer ein neues Produkt auf den Markt bringt, muss dafür auch werben. Die Annahme des Betreibers, dass das lesbischschwule Angebot ein “Selbstläufer” werden würde, hat sich für uns erwartungsgemäß nicht bestätigt. Obwohl Village e.V. bereits im Vorfeld deutlich darauf hingewiesen hat, dass ohne Werbung nur sehr wenig gehen wird, wurde von Seiten der Leitung darauf verzichtet.

Finanziell schwach auf der Brust
Leider war die Heimverwaltung Pankow, als Trägerin des Hauses bereits zur Eröffnung der lesbischschwulen Pflegeetage kurz vor dem finanziellen Aus. Dies war für den Verein als Kooperationspartner leider nicht ersichtlich, so dass wir hier nicht korrigierend eingreifen konnten. Überhaupt war die Kooperation zwischen dem Pflegeheimbetreiber und Village e.V. ein ausschließlich auf Beratung basierender Vertrag. Unser Verein hatte keine Möglichkeiten notwendige Veränderungen einzuleiten, wir waren den Fähigkleiten bzw. Unfähigkeiten der Agierenden ausgeliefert.

Village e.V. bedauert es sehr, dass die erste lesbischschwule Pflegeeinrichtung keinen größeren Erfolg nachweisen kann, möchte aber an dieser Stelle klarstellen, dass solche Angebote, richtig umgesetzt, duchaus erfolgsversprechend sein können und dankbar angenommen würden. Die Scheu von Pflegeeinrichtungen ein sogenanntes offizielles Angebote für Lesben und Schwule zu unterbreiten ist nach wie vor dominierend. Die Erfahrung mit den ehemaligen Bewohnern der lebsischschwulen Pflegeetage gibt uns aber recht, dass das öffentliche Bekenntnis eines Pflegeheimbetreibers zur lesbischschwulen Klientel zu angstfreiem Leben vor Diskriminierung in solch einer Einrichtung beiträgt.