Architektur
In zwei Architekturentwürfen, für die Motzstraße und die Winterfeldstraße wurde das bisher vorgestellte Village-Konzept entwickelt. Der Entwurf für die Winterfeldtstraße ist bisher am genauesten ausformuliert und soll auch möglichst auf den neuen Standort übertragen werden.

Beispielgrundriss: Architekturentwurf Winterfeldstraße, 2003
Entwurf: Christian Hamm und Susanne Dallmeyer
Bisher wurde lediglich ein Entwurfskonzept erarbeitet, um die zur Klärung der Wirtschaftlichkeit notwendigen Angaben zu erhalten, wie:
- Anzahl der Wohnungen,
- mögliche Nutzfläche,
- Positionierung der Pflegeetage usw.
Mit ca. 2.400 qm Nutzfläche und einer daraus errechneten BGF kann das Grundstück mit einer GFZ von ca. 3,9 bebaut werden.
Im Sommersemster 2006 haben StudentInnen der TU-Berlin, die Gruppe “Bau Fertig Laden” mit Jan Gehling, Nina Pawlicki, Jeanette Werner, Ariane Mielke und Ingo Nolte, ihre architektonische Idee für das Village-Haus entwickelt. Auf der Grundlage des Namens von Village e.V., auf deutsch “Dorf” wurde ein Modell gemeinschaftlichen Wohnens im Alter entwickelt. Das Bild eines Dorfes wurde sehr wörtlich genommen und auf unsere Zeit und den städtischen Kontext übertragen. Der Entwurf wird z.Zt. im neuen Infobüro des Vereins in der Lützowstraße 20 ausgestellt.
Die Wohnungen im VILLAGE-Haus:
Neben zwei Gartenwohnungen mit ca. 50 qm im Erdgeschoss der Remise wird es vom 2. bis 6. OG 5 mal 3 Wohnungen mit Größen von 40, 50 und 60 qm geben. Im Dachgeschoss ist noch 1 weitere Wohnung mit ungefähr 75 qm vorgesehen.
Die Wohnungen im 2. – 6. OG sind mit einer Laubengangerschliessung geplant. Sie bilden je Geschoss eine Art Wohngemeinschaft, wobei jedoch jede Wohneinheit über eine eigene Küche und Sanitäreinheit verfügt. Ein kleiner Gemeinschaftsbereich kann im Erschließungsbereich des jeweiligen Geschosses untergebracht werden.
Die Wohnungen sind gegliedert und werden über einen Laubengang erschlossen. Im Eingangsbereich befinden sich die Küchen als Arbeits- und Aufenthaltsbereich, der für die anderen zwei MitbewohnerInnen der Etage einsichtig ist. Hierüber soll eine einfache Kontaktaufnahme ermöglicht werden. Daran anschließend befindet sich der Sanitärbereich mit einer rollgerechten Dusche oder einer mobilen Badewanne, je nach persönlichem Wunsch oder Anforderungen. Neben dem Sanitärbereich ist ein Aufbewahrungs- und Abstellbereich in Form einer großzügigen Schrankwand vorgesehen.
Vom Sanitärbereich abgeschirmt befinden sich die Individualräume, wie Wohn- und Schlafbereich. Hier kann der Rückzug von der Gemeinschaft gelebt werden. Vervollständigt wird dieser Individualbereich durch Wintergärten (je nach Lage der Wohnung) und Balkone.
Die Mietwohnungen sind Ost/West orientiert. Die Küchen liegen im Osten und die Privaträume im Westen und damit dem Tagesablauf angepasst. Die Wohnungen sollen so fexibel gestaltet sein, dass z.B. im Pflegefall ein Pflegebett auch im am Laubengang gelegenen Küchen- und Aufenthaltsraum aufgestellt werden kann. Hierdurch kann eine einfachere Kontaktaufnahme mit den MitbewohnerInnen der Etage hergestellt werden, was im Pflegefall in der eigenen Wohnung eine hohe Lebensqualität bedeuten kann.
Das ganz individuelle Village-Konzept
Der vielleicht nur beiläufige Sichtkontakt zwischen den BewohnerInnen einer Etage kennzeichnet das Village-Konzept. Nicht die Anonymität eines Treppenhauses, sondern die partielle, oft wahrscheinlich passive Teilnahme am Leben seiner MitbewohnerInnen soll ein Gefühl gegenseitiger Verantwortung füreinander vermitteln. Ein wenig, wie das Leben in einem Dorf, was nicht durch ein anonymes Leben nebeneinander charakterisiert wird, sondern durch das Wissen voneinander, machen dieses Konzept zumindest für den städtischen Raum einmalig. Aus diesem Verständnis heraus ist auch der Name unseres Vereins entstanden: Village – Dorf.
Wir sind uns bewusst, dass mit diesem Ansatz ein Widerspruch zwischen dem Standort – die Stadt (damit verbunden der Wunsch nach Anonymität) und der Lebensform Gemeinschaft (damit verbunden auch soziale Kontrolle) formuliert wird. In vielen Diskussionen im Arbeitskreis Schöner Wohnen und beim Stammtisch von Village e.V. wurden die Vor- und Nachteile dieses Konzeptes beleuchtet.
Da sich niemand einer permanenten sozialen Kontrolle aussetzen möchte, ist es in der Entwurfsgestaltung von besonderer Bedeutung, zwischen den halböffentlichen und privaten Räumen eine klare Trennung auszubilden. Ein ausgewogenes Verhältnis von individuellem und öffentlichem (Gemeinschaftsräume) sowie in unserem Konzept halböffentlichen Raum (Küchen- und Aufenthaltsraum zum Laubengang) soll ein Lebensgefühl vermitteln, in dem gegenseitige Solidarität und soziale Verantwortung gelebt und vermutlich auch wieder erlernt werden können.
Dieses Konzept wurde bewusst für Lesben und Schwule entwickelt, denn durch die jahrelange Abgrenzungserfahrung auf Grund gesellschaftlicher Diskriminierung besteht bei ihnen eine zu respektierende Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz. Aufgrund ihrer Biographien suchen sie Gleichgesinnte, die eben diese miteinander teilen oder zumindest verstehen oder respektieren können. Untersuchungen zeigen, dass viele ältere Lesben und Schwule das Bedürfnis nach Geborgenheit und sozialem Austausch in der Gemeinschaft äußern. Gleichwohl besitzen sie als Lebenskonzept oft ein hohes Maß an Autonomie, welche sie ungern aufgeben möchten.
Das Village-Haus trägt dieser besonderen Situation in seiner baulichen und inhaltlichen Konzeption Rechnung.
Gemeinschaftsflächen
Die Gemeinschaftsflächen im Village-Haus sind eher gering bemessen und können zudem mit vielen unterschiedlichen Nutzungen belegt werden. Die Erfahrungen aus anderen Gemeinschaftsprojekten haben gezeigt, dass viele Gemeinschaftsflächen die Wirtschaftlichkeit eines Projektes stark beeinflussen können.
Ziel der Konzeption soll vielmehr sein, dass jede/r BewohnerIn möglichst unterschiedliche Bereiche des Hauses nutzen kann und damit auch eine persönliche Identität mit dem gesamten Haus und somit auch mit der Gemeinschaft aufbauen kann.
Village-Treffpunkt
Der Village-Treffpunkt ist als Gewerbeeinheit mit ca. 100 qm im Erdgeschossbereich des Eigentümerhauses angeordnet. Er ist zur gemeinschaftlichen Nutzung der HausbewohnerInnen gedacht, aber steht auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Hier können kleinere Veranstaltungen durchgeführt werden und das Konzept des Village-Treffs, nämlich der Austausch von Talenten weiter entwickelt werden.
Das Konzept des Village-Treffs wird z. Zt. entwickelt. Von unserem BewohnerInnen-Stammtisch ging die Initiative aus, einen Ort zu schaffen, an dem sich ältere Lesben und Schwule zur gemeinsamen Freizeitgestaltung treffen können. Jede/r verfügt über persönliche Talente, die sie/er an andere weitergeben kann. Übertragen auf die allgemeine Altenarbeit kann ein solcher Treffpunkt auch als Altenbegegnungsstätte bezeichnet werden. Wie beim Konzept für das Village-Haus soll auch hier die Selbstorganisation vor der institutionellen Angebotsschaffung stehen. Eine detaillierte Konzeption hierfür wird zum gegebenen Zeitpunkt zur Verfügung stehen.
Über den Village-Treffpunkt im Village-Haus wird auch ein Bezug zur Straße und damit zur allgemeinen Öffentlichkeit hergestellt. Die Straße mit ihren großen Bäumen verfügt im Sommer über eine sehr schöne Atmosphäre, wo man sich das Sitzen und Beobachten sehr gut vorstellen kann. Der Kontakt zum Umfeld, z.B. mit dem gegenüberliegenden Nachbarschaftsheim und dem Straßencafe im Nachbarhaus könnte beiläufig entstehen und mit der Zeit ausgebaut werden.
Der Gemeinschaftsraum wird variabel eingerichtet, so dass er für unterschiedliche Tätigkeiten genutzt werden kann: Feiern, Diskutieren, Meditation, Basteln, Malen usw. Da der Raum an sich nicht sehr groß dimensioniert ist, werden Lagermöglichkeiten für Materialen usw. im Kellergeschoss vorgesehen.
Durch die Positionierung des Gemeinschaftsraumes im Eigentümerhaus wird der zukünftige Träger des Mietshauses auch auf die Eigentümergemeinschaft des Eigentumshauses einwirken. Dies kann von strategischer Bedeutung für einen kooperativen Umgang der unterschiedlichen Finanzierungsmodelle sein.
Village-Gästewohnung
Die Gästewohnung soll im Dachgeschoss des Mietshauses untergebracht werden. Mit einer Größe von lediglich 30 qm kann sie von der Gemeinschaft finanziell getragen werden und steht trotzdem für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Zuerst einmal im eigentlichen Sinne als Gästewohnung, aber auch für größere, entweder gemeinschaftliche oder auch private Feierlichkeiten der BewohnerInnen. Eine großzügige Dachterrassenfläche soll ebenfalls allen BewohnerInnen zur Verfügung stehen, um die Sonne genießen zu können, der Garten wird zum größten Teil des Jahres durch umliegende Gebäude verschattet sein. Es ist auch vorstellbar in dieser Gästewohnung einen offenen Kamin vorzusehen und eine kleine Bibliothek einzurichten, so dass ein plauschiges Stündchen in der Abendsonne zu einem exquisiten Vergnügen zu jeder Jahreszeit werden kann.
Garten
Der Garten wird auf Grund der hohen Bebauungsdichte des Grundstücks nicht sonderlich groß ausfallen, hinzu kommt, dass die zwei Gartenwohnungen einen, wenn zwar auch sehr kleinen individuellen Gartenraum benötigen und auch der Sonneneinfall stark eingeschränkt sein wird. Die hoch stehende Morgen- und Mittagssonne wird den Garten zumindest in den Sommermonaten bescheinen, ansonsten wird der Garten im Schatten der umstehenden Häuser liegen.
Trotzdem wird es auf eher bescheidenem Raum einen liebevoll gestalteten Aufenthaltsbereich geben, der ebenfalls für die BewohnerInnen zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stehen wird.
Gemeinschaftsbereiche auf den einzelnen Geschossen
Die jeweiligen Wohngruppen (je 3 Mietwohnungen) erhalten auf ihrem Geschoss einen kleinen Gemeinschaftsbereich zur zufälligen Begegnung und zum gemeinschaftlichen Rückzug. Im vorherigen Entwurf für die Winterfeldtstraße waren diese Bereiche im Zusammenhang mit der Laubengangerschließung geplant. In der nun überarbeiteten Konzeption werden diese Flächen eher im Bereich eines großzügigen Treppenhauses vorgesehen. Ein detaillierter Architekturentwurf wird hier zu genaueren Angaben führen.
Diesem kleinen Aufenthaltsbereich für nur jeweils 3 Parteien wird ebenfalls eine wesentliche Bedeutung für das Entwickeln eines Gemeinschaftsgefühls beigemessen. Die Bildung von kleineren Gemeinschaften kann das Selbstverständnis jedes Einzelnen im Kontakt zur gesamten Hausgemeinschaft stärken und sozialen Konflikten und der Ausgrenzung Einzelner innerhalb der Gemeinschaft entgegenwirken.
Gemeinschaftsflächen Zusammenfassung
Neben der eigenen Wohnung hat jede/r BewohnerIn des Village-Hauses die Möglichkeit der Nutzung vier weiterer Bereiche. Diese Orte innerhalb des Projektes umfassen beide Gebäude mit dem Außenbereich und drei unterschiedliche Ebenen (Village-Treff und Garten im Erdgeschoss, den kleinen Gemeinschaftsbereich je nach Lage der Wohnung sowie die Gästewohnung/Bibliothek/Dachterrasse im Dachgeschoss).
So hat jede/r BewohnerIn die Möglichkeit das gesamte Haus als ihren/seinen Ort zu erfahren und damit eine starke Identifikation mit dem Projekt zu entwickeln.

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